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Ghost Guns und 3D-Druck: Ein Risiko für den Werkplatz Schweiz

Warum US-Regulierungspläne die industrielle Sicherheit und den Schutz von Betriebsgeheimnissen bedrohen könnten.
5. Februar 2026 durch
Ghost Guns und 3D-Druck: Ein Risiko für den Werkplatz Schweiz
MEER 3D Technologies

Der 3D-Druck (Additive Fertigung) ist der Motor der modernen Prototypisierung. Doch während Ingenieure weltweit an der nächsten Innovation tüfteln, wächst in der Politik ein Misstrauen gegenüber der Hardware selbst. Das Schlagwort lautet: Ghost Guns. Was in den USA als Sicherheitsmassnahme beginnt, könnte weltweit – auch in der Schweiz – weitreichende Folgen für den Schutz von Betriebsgeheimnissen und die Innovationskraft haben.

Der Status Quo: Radikale Pläne in den USA (2026)

In den USA haben Bundesstaaten wie New York und Washington Anfang 2026 Gesetze auf den Weg gebracht, die direkt in die Hardware eingreifen. Gouverneurin Kathy Hochul fordert etwa, dass jeder in New York verkaufte 3D-Drucker mit einer „Firearm Blueprint Detection“ ausgestattet sein muss.

Was das konkret bedeutet:

  • Software-Zensur: Algorithmen sollen in Echtzeit prüfen, ob die Geometrie eines Druckauftrags einem Waffenteil ähnelt. Erkennt das System ein solches Muster, bricht der Druck ab.

  • Cloud-Zwang: Da diese Datenbanken ständig aktualisiert werden müssen, droht ein faktischer Online-Zwang für Drucker.

  • Kriminalisierung von Daten: Schon der Besitz von CAD-Dateien für Waffenteile ohne Lizenz wird unter schwere Strafe gestellt.

Warum das für die Schweiz brandgefährlich wäre

Bisher gilt in der Schweiz: Die Herstellung von Waffen ohne Bewilligung ist illegal (Art. 5 Waffengesetz). Der Fokus liegt auf der Tat, nicht auf dem Werkzeug. Würden wir jedoch US-Modelle übernehmen, stünde die Schweizer Industrie vor massiven Problemen:

1. Das Ende der IP-Sicherheit (Intellectual Property)

Schweizer Firmen leben von Diskretion. Wenn ein Drucker permanent „nach Hause telefoniert“ oder Konstruktionsdaten mit einer zentralen Datenbank abgleicht, entsteht ein enormes Sicherheitsrisiko. Wer garantiert, dass die Algorithmen zur Waffenerkennung nicht auch genutzt werden könnten, um andere sensible Designs zu analysieren oder abzugreifen?

2. False Positives: Der Innovations-Killer

Ein Algorithmus kann oft nicht zwischen einem harmlosen Maschinenteil, einem medizinischen Implantat oder einer Waffenkomponente unterscheiden. Ein „False Positive“ (Fehlalarm) könnte kritische Produktionsprozesse unterbrechen und Kosten in Millionenhöhe verursachen.

3. Der Tod der Offline-Produktion

Viele Hochsicherheitsbereiche in der Schweiz (z.B. Medizinaltechnik oder Luftfahrt) arbeiten in „Air-Gapped“-Umgebungen – also Rechnern und Druckern ohne Internetzugang. Ein gesetzlicher Zwang zu automatisierten Sicherheits-Updates oder Cloud-Abgleichen würde diese sicheren Workflows verunmöglichen.

Fazit: Werkzeugschutz statt Werkzeugüberwachung

Die Gefahr durch Geisterwaffen ist real, doch die Lösung darf nicht die Sabotage einer Schlüsseltechnologie sein. Während die USA versuchen, das Problem über die Hardware-Kontrolle zu lösen, ist der europäische Weg bisher klüger: Regulierung des Besitzes und der digitalen Baupläne, statt die Drucker selbst unter Generalverdacht zu stellen.

Für die Schweizer Industrie gilt es nun, wachsam zu bleiben. Eine Überwachung von 3D-Druckern wäre nicht nur ein Eingriff in die Privatsphäre, sondern ein direkter Angriff auf das industrielle Rückgrat unseres Landes.

Wird Recycling im 3D-Druck jetzt massentauglich
In der 3D-Druck-Welt bahnt sich gerade etwas Spannendes an. Creality hat auf seiner neuen Crowdfunding-Plattform ein Projekt vorgestellt, das ein grosses Problem unserer Community lösen könnte: Den Umgang mit Fehldrucken und Kunststoffresten.